Angenehm aber langweilig – die Komfortzone

Alle reden immer davon, dass man die Komfortzone verlassen muss. Aber was ist das überhaupt für eine Zone und wieso kann man sich nicht innerhalb von ihr bewegen und wohin gelangen wir erst, wenn wir durch das Gartentor gehen?

Die Komfortzone ist so etwas wie unser persönliches Haus; die meisten haben auch einen kleinen Garten dabei. Darin fühlen wir uns wohl, weil wir vor unangenehmen Überraschungen sicher sind. Normale Tagesabläufe, die gewohnten Menschen und wir wissen am Morgen bereits was tagsüber passiert. Anders gesagt: das ist der Raum in dem wir funktionieren. Da kann uns nix passieren und deshalb fühlen wir uns darin auch so wohl.

Nur etwas langweilig ist es da. Weil uns nix passieren kann, passiert da auch nix Großartiges.

Dem Menschen eigen ist seine Neugierde; den einen mehr und den anderen weniger. Also wagen wir einen Blick nach draußen. Weil unsere Spezies bereits ein paar Ostersonntage auf diesem Planeten existiert, gab es bereits welche die schon Spaziergänge außerhalb der Komfortzone gewagt haben. Einige von ihnen waren anschließend so nett und haben sich den Kopf zerbrochen wie man das nennen könnte, was sich außerhalb befindet.

Das 3-Kreise Modell

Die verschiedenen Zonen lassen sich am besten mit dem 3-Kreise-Modell erklären. Im innersten Kreis befindet sich die Komfortzone. Hier wollen aber die wenigsten Menschen bleiben. Einfach weil tief in unserem Inneren der Entdeckergeist wohnt und der will sich weiterentwickeln. Irgendwann packen wir dann unseren Erkundungsrucksack und marschieren los (OK, manche vielleicht nicht ganz freiwillig).

Wenn du dich durchs Gartentor wagst, gelangst du in die Wachstumszone.

Hier wird es spannend, aber vielleicht etwas unbequem.

by Caroline herself

In der Wachstumszone begegnest du Situationen, die du vorher noch nie erlebt hast. Eventuell hast du von manchen Dingen schon gehört, die sich da abspielen. Die klingen zwar lustig und spannend, aber auch nach Herausforderung und Anstrengung. Zum anderen versucht dich Ego-State „Schweinehund“ möglicherweise daran zu hindern. Oder ein anderer Ich-Anteil, der ängstlich ist. Oder deine Mutter oder sonst jemand, der zwar auf die andere Seite blicken möchte, aber es nicht wagt.

Ein neuer Job könnte so etwas sein oder dein erster Urlaub alleine. Bei mir war eine dieser Herausforderungen eine Wandertour auf den Mangart mit anschließender Übernachtung am Meer auf einem Campingplatz wo ich unter dem Sternenhimmel schlief (auch, weil ich das Zelt vorher noch nie aufgebaut habe und im Angesicht der hereinbrechenden Nacht das auch nicht mehr zuwege gebracht hätte). Zwischendurch fragte ich mich schon was ich da mache und ob noch alles in Ordnung ist.

An dieser Stelle: der Mangart ist kein Berg auf den man alleine geht. Nur wollen da im Moment alle rauf und deshalb ist man auch alleine nie alleine.

Ich war überglücklich als ich da oben stand und auf die Julischen Alpen blickte. Ein Adrenalinkick der Sonderklasse war das.

Es gibt dir ein Gefühl von „Fu.. ich kann das ja alleine!“ Und es ist ein Gefühl des Triumphs wenn du an diejenigen denkst, die es dir nicht zutrauten.

Genau dieses Gefühl kannst du später wieder abrufen, denn es ist in deinem Unterbewusstsein verankert. In Momenten, wenn du kurz vorm Aufgeben bist. Da ist so eine Erfahrung überaus wertvoll. Nun kannst du dir vorstellen, was der Erfinder des Namens wohl durchgemacht hat: Er ist an der Herausforderung gewachsen.

Beflügelt von all den Glückshormonen könnte es dir aber passieren, dass du ein klein wenig zu schnell läufst und husch beim nächsten Gartentor draußen bist. Das hat nämlich kein Tor weshalb du leicht übersiehst, dass da wieder eine Grenze ist.

Willkommen in der Panikzone.

An dieser Stelle könnten wir über zwei Varianten diskutieren:

  1. Schnell abbremsen (falls du rechtzeitig bemerkt hast wo du da durch bist) und umdrehen oder
  2. den Sprung ins kalte Wasser wagen

Variante zwei wäre die Schocktherapie. Ab und zu mag das der richtige Weg sein. Jedenfalls, wenn das Wasser nicht allzu kalt ist. In dieser Situation lernst du wahnsinnig viel in sehr kurzer Zeit oder du musst einfach reagieren. Die berühmte Schockstarre ist in diesem Fall gar keine Möglichkeit. Ergo wächst du an den Aufgaben. Ich habe das in der Vergangenheit auch schon gemacht. Aber: die Gefahr ist groß, dass es zu viel für dich ist und das kalte Wasser dein Selbstwertgefühl beschädigt.

Anstatt zu wachsen bist du möglicherweise frustriert

Es stimmt schon, dass es enorm pusht, wenn du dich plötzlich mitten in einer Situation wiederfindest, in die du eigentlich langsam gehen wolltest. Wenn dich ein Hubschrauber mitten im See abwirft, schwimmst du vermutlich bis zum Ufer. Aber selbst wenn du es schaffst (einige schaffen es nicht, das muss man auch sagen), kostet es dich jede Menge Energie. Selbst wenn du es im ersten Moment nicht merkst. Du kommst da nämlich mit einer Überdosis Adrenalin an und läufst sogar noch ein paar Meter.

Deshalb: im der Wachstumszone trotz allem Spaß immer bremsbereit fahren.

Es gab viele, die nach so einer Aktion bei der Rückkehr in ihre Komfortzone nicht einmal mehr eine Terrasse hatten. Sprich: Überforderung kann sich in Panik und Angstzuständen äußern und in besonders schlimmen Fällen führt es dazu, dass man seine eigenen vier Wände nicht mehr verlassen kann.

Meine Komfortzone ist mir zu klein

Deine Komfortzone muss nicht immer so klein (oder größer) bleiben, wie sie im Moment ist. Vielleicht möchtest du ja dein kleines Häuschen zu eine riesigen Palast ausbauen.

Dazu brauchst du die Wachstumszone, denn je öfter du dich darin bewegst, desto sicherer wirst du und dein persönlicher Zaun wird ohne dass du es bemerkst, von den sieben Zwergen langsam versetzt. Es ist gut, wenn du dich traust in Nachbars Garten zu schauen. Du wächst daran und wirst zu einer starken, mutigen Persönlichkeit. So ganz nebenbei bemerkt: du entwickelst ein sichereres Gespür für deine persönlichen Grenzen zur Panikzone.

Ja, aber wieso nehmen wir nicht die Abkürzung und nehmen das Land des Nachbarn im Flug ein?

Bei aller Ungeduld: Du gehst schließlich einen Berg auch langsam hinauf (oder etwas schneller, wenn du Trailruns machst) oder zumindest in dem Tempo, von dem du weißt, dass du damit sicher oben ankommst und nicht vor Erschöpfung auf halber Strecke umdrehen musst.

Der Berg lehrt dich das gleiche Prinzip: umzudrehen kann frustrierend sein und man verurteilt sich hinterher selbst. Aber besser du drehst am Berg um anstatt im Leben.

Viel Spaß beim Erkunden deiner Wachstumszone und falls ich dir dabei helfen kann oder du weitere Fragen zu den Zonen und der Ausweitung ihrer Grenzen hast – schreib mir gerne ein Mail.

Wenn dir mein Beitrag gefallen hat, freue ich mich, wenn du ihn weiterempfiehlst oder teilst. Vielen herzlichen Dank.

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