Ferlacher Horn (1840m) – ein gewaltiger Kraftort

Waldweg, relativ anspruchsvoll hinsichtlich Kondition und eine Tour, auf der du dir selbst sehr nahe kommst. Das ist die Wanderung auf das Ferlacher Horn mit Startpunkt beim Gasthof Deutscher Peter.

Zugegeben, es gibt landschaftlich schönere Wanderungen. Bestimmt auch auf das Ferlacher Horn, aber dieser Weg durch den Wald hat eine ganz andere Kraft. Eine, die in der Lage ist, dir die Tränen in die Augen zu treiben. So ähnlich erging es uns bereits am Wildkogel und mir in Zürich am Dänzlerweg.

Manche Strecken nerven mich einfach. Es gibt nichts besonderes zu sehen, sie sind anstrengend und ich würde am liebsten umdrehen. Strecken, die den Puls gnadenlos in die Höhe treiben und dabei Gedanken an die Oberfläche befördern, über die du nicht nachdenken willst. Aber du hast sonst, außer dich über die Strecke zu ärgern, nicht viel zu tun – also denkst du nach.

Du kannst nichts anderes tun als weiterzugehen und die Gedanken zuzulassen

Dabei frage ich mich, ob es die Strecke selbst ist oder ich einfach dann eine solche erwische, wenn ich einem Problem davonzulaufen versuche oder wenn Entscheidungen anstehen, die ich nicht treffen will.

Alle zwanzig Minuten, vielleicht sogar alle zehn Minuten sehe ich auf die Uhr und zähle die verbleibende Zeit bis zum Gipfel. Dabei fluche ich; leise. Es hört mich ohnehin niemand. Oder sollte ich vielleicht gerade deshalb. Ein Ort zum Hinausschreien.

Kein Wasserfall, der das Gedankenkarusell unterbrechen könnte und kein Ausblick, der einen Stop für ein Foto rechtfertigen würde. Nichts dergleichen. Je mehr Schritte ich mache, desto schlimmer wird es. Am liebsten würde ich mich auf eine Wurzel setzen, mich zusammenkauern und heulen.

Hin- und hergerissen zwischen Wut, Verzweiflung und trotzig weitergehen setze ich einen Schritt vor den anderen und muss dabei höllisch aufpassen, dass ich mit den Gedanken am Weg selbst bleibe. Nicht alle Steine sind halbwegs fest mit dem Erdreich verbunden. Ein Teil des Weges etwas weiter oben ist sogar geschottert. Eine Rutschpartie beim späteren Abstieg.

Ich will nicht mehr und der Gipfel müsste nach der veranschlagten Wegzeit in greifbarer Nähe sein. Plötzlich sind die Bäume zu Ende und ein erster Ausblick auf das Rosental ist zu sehen. Und auf einen Abgrund. Nur einen Meter neben dem Weg geht es kerzengerade abwärts. Für das Foto lege ich mich hin und denke für einen Moment, dass wenn, nur mein Telefon den Abgrund hinunter fliegt.

Ein paar Minuten später die Wiese mit den letzten Metern zum Gipfelkreuz. Noch kann ich nicht sehen, was mich gleich erwartet. Im Moment bin ich nur froh, dass ich oben angekommen bin und das Gedankenkarusell nach dem Blick auf den Abgrund eine Pause macht.

Berg Heil und gleich darauf Sprachlosigkeit:  Hatte ich zuvor Tränen der Wut in den Augen, machte sich nun ein unglaubliches Staunen breit. Im Norden das Rosental mit der Drau, dahinter ein Blick vom Osten Klagenfurts über den Wörthersee bis zum Dobratsch. Westlich bis in die slowenischen Felsgebirge und das obwohl ein leichter Wolkenschleier am Himmel war. Und im Süden schließlich die Karawanken in ihrer gesamten Größe.

Das Ferlacher Horn ist ein Kraftort

Am Rückweg kamen die Gedanken wieder, durch den überwältigenden Moment am Gipfel umso stärker. Aber es gab mir Kraft, zwei Tage später ein hinausgeschobenes Gespräch endlich zu führen. Ruhig und ohne Wut oder Vorwürfe – all das Negative blieb irgendwo auf der Strecke liegen.

Wanderweg 603 auf das Ferlacher Horn

Gestartet sind wir relativ zeitig in der Früh. Etwa 500m nach dem Gasthof Deutscher Peter (direkt an der Loiblpass Bundesstraße) befindet sich ein kleiner Parkplatz. Von dort geht man ein paar Meter auf der Bundesstraße und nach dem dunklen Holzhaus biegt man bei den Hinweisschildern auf den Wanderweg ein.

  Wenn du diesen Ausblick auf die Karawanken hast, bist du vermutlich auf dem Forstweg ein Stück zu weit gegangen. Zurück bis zum Hinweisschild mit dem Wanderweg 632 und diesem bergauf folgen, bis du wieder auf den Weg 603 kommst

Gut geeignet ist diese Wanderung an heißen Sommertagen, da der Weg bis kurz unter den Gipfel auf schattigen Waldwegen verläuft. Sie ist mit fünf Stunden Auf- und Abstieg auch eine gute Möglichkeit, um hinterher noch einen Abstecher in die Tscheppaschlucht zu machen.

Ein weiteres Plus sind fehlende Kuhweiden – angenehm für eine Wanderung mit Hund.

Bis zur nächsten spontanen Tour – Caroline

 

 

 

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